Artikel | Veröffentlicht am 06. Mai 2019


heidelpay Themenreihe zur neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2
Teil 1 - Wieso, weshalb, warum?

Fluch oder Segen? Aktuell gibt es fast kein Thema das so heiß diskutiert wird wie die zweite Zahlungsdiensterichtlinie der EU. (PSD2) Kaum jemandem dürfte entgangen sein, dass wir (sich die Branche) uns mitten in der Umsetzung dieser befinden.

Aber bevor wir erklären, was die PSD2 alles verändert und verändern wird, wollen wir erst einmal klären, warum es die PSD2 überhaupt gibt und auf welchen Grundlagen sie fußt.

Die Anfänge: PSD1

Die EU hatte sich das Ziel gesetzt, einen Markt für Zahlungsdienste in Europa zu schaffen, der folgendes beinhalten sollte:

- Die gleichen Regeln in der gesamten EU
- klare Informationen zu den Zahlungen
- schnelle Zahlungen
- Verbraucherschutz
- und eine große Auswahl an Zahlungsdienstleistungen

Durch einen einheitlichen Zahlungsraum sollte außerdem erreicht werden, dass Bürger und Unternehmen grenzüberschreitende Zahlungen genauso einfach und sicher tätigen können wie in ihren eigenen Ländern. Des Weiteren sahen die Pläne vor, die Gebühren von grenzüberschreitenden Zahlungen den inländischen anzupassen.

Um diese Pläne umsetzen zu können, verabschiedete die EU bereits 2007 die PSD1 – oder einfach nur PSD oder eben auch Zahlungsdiensterichtlinie 2007/64/EG. Diese galt im Europäischen Wirtschaftsraum (Europäische Union, Island, Norwegen und Liechtenstein) und regulierte elektronische und nicht elektronische Zahlungsdienste sowie jede Art von Mobile- und Online-Zahlungsabwicklung. Das ambitionierte Ziel der EU war die Stärkung des europäischen Wettbewerbs und eine vermehrte Teilnahme Dritter am Finanzsektor. Die Hoffnung war, dass sich durch die Beteiligung von Nicht-Banken der Verbraucherschutz im Sinne von gleichen Rechten und Pflichten für Dienstleister und Nutzer verbessern würde.

Die PSD1 trat am 25. Dezember 2007 in Kraft und musste bis zum 01. November 2009 von allen EU- und EWR-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden.

Welche praktischen Vorteile hat die PSD1 gebracht?

Im Rahmen der PSD1 wurde auch die neue Kategorie der „Zahlungsinstitute“ ins Leben gerufen. Diese Nicht-Banken, die aber bestimmte Zahlungsdienste wie das Auszahlung-, das Lastschrift-, das Überweisungs-, das Zahlungskarten-, das Zahlungsauthentifizierungs-, das digitalisierte Zahlungs- und das Finanztransfergeschäft anbieten dürfen, unterliegen in Deutschland der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Weiteres zentrales Element der PSD1 sind die klaren Rechtsgrundlagen für Europas Banken-Zahlungsinfrastruktur (Single Euro Payments Area, kurz: SEPA). Für die europäische Wirtschaft und die Bürger haben die Bestimmungen große Vorteile, da Zahlungen innerhalb der EU beispielsweise schneller durchgeführt werden können. Aber auch die erhöhte Transparenz sowie die Stärkung des Anrechts auf Rückerstattungen machten die PSD1 zu einem Erfolg.

Alles neu durch die PSD2?

Das ambitionierte Ziel der PSD1, eine größere Auswahl an Zahlungsdienstleistungen zu schaffen, wurde jedoch nicht erfüllt. Hier sah die EU Nachholbedarf. 2013 veröffentlichte die Europäische Kommission deshalb einen Antrag auf Neufassung der Directive – die Geburtsstunde der PSD2. Die zweite Fassung der PSD wurde 2015 genehmigt. Die Mitgliedstaaten hatten bis zum 13. Januar 2018 Zeit, sie in ihr nationales Recht aufzunehmen.

Wie schon die PSD1 bringt die Neuauflage der Verordnung drei ganz zentrale Neuerungen mit sich:

  1. Zahlungsinstitute, wie es auch heidelpay ist, erhalten Zugang zu Bankdaten und Bankkonten. Hinter dieser Entscheidung steht die Überlegung, dass Daten und Konten vielmehr im Besitz der Kontoinhaber und eben nicht im Besitz der Banken sind. Damit die Zahlungsinstitute jedoch Zugriff auf das Bankkonto erhalten, bedarf es einer ausdrücklichen Genehmigung des Kontobesitzers.
  2. Der Zugang zu den Bankkonten soll ein Netzwerk aus neuen und bereits bestehenden Lösungsanbietern entstehen lassen. Bei den neuen Lösungsanbietern handelt es sich vor allem um Kontoinformationsanbieter (Account Information Service Providers, kurz: AISPs) und Zahlungsauslösedienste (Payment Initiation Service Providers, kurz: PISPs).
  3. Zahlungsgebühren werden ebenfalls neu geregelt. Demnach dürfen Unternehmen wie Veranstalter oder Fluggesellschaften keine Extra-Kreditkartengebühren mehr berechnen.
  4. Auch der Kundenschutz wird verstärkt. Mit der „Strong Customer Authentication“ (SCA), also eine starke Kundenauthentifizierung – auch Zwei-Faktor-Authentifizierung – genannt, soll der Missbrauch von Daten erheblich erschwert werden.  

Was die Neuerungen in allen Einzelheiten bedeuten, werden wir in den kommenden Teilen der Themenreihe ausführlich beleuchten.

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