Artikel | Veröffentlicht am 13. Mai 2019


heidelpay Themenreihe zur neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2
Teil 2 - Bankenschnittstelle, AISPs und PISPs

Die Payment Service Directive 2 (PSD2) hat das Potenzial, die Zahlungs- und Banking Vorgänge grundlegend zu verändern. Die EU-Richtlinie, die bereits seit Januar 2018 gilt, soll für mehr Transparenz, Sicherheit und Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum sorgen.

Im zweiten Teil der PSD2-Themenreihe klären wir, was es mit den Abkürzungen XS2A, AISPs und PISPs auf sich hat.

„Access to Account“ (XS2A)

Das Thema Wettbewerb steht dabei ganz oben auf der Agenda. Bereits durch die PSD1, die 2009 in Kraft getreten ist und bis dato elektronische und bargeldlose Zahlungen in der EWG geregelt hat, war die Geburtsstunde der sogenannten Zahlungsinstitute, wie auch heidelpay eines ist. Mit der PSD2 erhalten diese Institute mehr Möglichkeiten den Wettbewerb in puncto Dienstleistungen mitzubestimmen. Möglich wird das vor allem durch neue Schnittstellen, die den Drittanbietern von den Banken zur Verfügung stellen müssen.

Seit dem 14. März müssen Banken und Zahlungsdienste Drittanbietern eine Testumgebung und die dazugehörige technische Dokumentation der Schnittstelle zur Verfügung stellen. Konkret erhalten die Drittparteien auf Wunsch der Kunden über Schnittstellen zur Anwendungsprogrammierung (APIs) einen „diskriminierungsfreien Zugang" zu den Konten der Kunden – kurz: XS2A. Durch den Zugang zu den Konten dank der Schnittstelle haben Drittanbieter die Möglichkeit, Dienstleistungen um die Grundfunktionen „Initiierung von Zahlungen“ und „Abfrage von Kontoinformationen“ anzubieten.

Was die wenigsten wissen: In Deutschland gibt es bereits seit einiger Zeit eine Financial Transaction Services (FinTS) Schnittstelle, über die Dritte sowohl Kontoinformationen abrufen als auch Aufträge einreichen können. Die neue PSD2-Schnittstelle wird die deutsche Besonderheit für alle Banken in der ganzen EU Pflicht. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die Schnittstelle einheitlich sein wird. Das liegt unter anderem auch daran, dass die PSD2 nur das Vorhandensein einer Schnittstelle vorschreibt. Die konkrete Ausgestaltung ist nicht vorgeschrieben.

Payment Initiation Service Providers

Durch die neue Schnittstelle wird der Weg für neue Services frei. Da wären zum einen die sogenannten Zahlungsauslösedienste (ZAD) oder auch Payment Initiation Service Providers, kurz: PISPs.

Die Zahlungsauslösedienste werden eine neue Art von SEPA-Transaktionen ermöglichen. Diese werden auch als „SEPA Credit Transfers“ bezeichnet. Die Abkürzung SEPA ist schon seit der PSD1 gebräuchlich und steht für Single Euro Payments Area und bezeichnet den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum. Durch die Einführung des europaweiten Standards sollten nationale und internationale Zahlungen im innereuropäischen Zahlungsraum schneller abgewickelt werden – um es genauer zu sagen: an einem Bankarbeitstag. Durch die „SEPA Credit Transfers“ wird nun auch die Betragsobergrenze von 50.000 Euro wegfallen, wobei Zahlungen von mehr als 12.500 Euro nach wie vor einer Meldepflicht nach der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) unterliegen. Zudem sollen auch Belegüberweisungen bereits nach zwei Tagen beim Empfänger eintreffen. 

Das Besondere an dem Payment Initiation Service, wie ihn auch heidelpay mit FlexiPay Direkt zur Verfügung stellt, ist die Sicherheit für den Online-Händler. Die PIS-Lösung nutzt eine direkte Server-2-Server Kommunikation mit der kontoführenden Bank. Der Kunde bzw. Kontoinhaber authentifiziert sich mit seiner Zugangsdaten für das Online-Banking und autorisiert die Transaktion mit seinem präferierten TAN-Verfahren. Die Transaktionsdetails können dabei vom Kunden nicht mehr verändert werden. Neben diesem Sicherheitsaspekt ist ein weiterer Vorteil der PIS-Zahlungsmethode die Echtzeitprüfung der Kontodeckung.

Account Information Service Providers

Neben den Payment Initiation Services ermöglicht die Banken-Schnittstelle auch die Etablierung von Kontoinformationsanbietern oder auch Account Information Service Providers, kurz: AISPs genannt.

Bei Account Information Service Providern handelt es sich um Anbieter von Kontoinformationsdiensten. Dabei greifen sie mit Einverständnis des Kunden auf dessen Bankkonten zu und analysieren sowie konsolidieren die Daten. Diese Daten können dann wiederum von anderen Drittanbietern oder Banken genutzt werden, um beispielsweise Multi-Banking-Apps oder Online-Kreditplattformen anzubieten.

Dabei ist der Zugriff auf die Kontodaten streng reguliert. Die Europäische Kommission fordert, dass AISPs eben nur auf die Informationen zugreifen dürfen, für die sie vom Kunden auch eine Berechtigung erhalten haben und die sie für die Erbringung des Services benötigen. Entsprechend werden bei einem Online-Kreditantrag dem kreditgebenden Institut nur die relevanten Daten für die Kreditentscheidung zur Verfügung gestellt.

Die neue Bankenschnittstelle, die Account Information Service Providers und die Payment Initiation Service Providers – diese drei Neuerungen, die die PSD2 ermöglicht, haben das Potenzial, die Banken- und Finanzwirtschaft erheblich zu beeinflussen. Egal ob neue Geschäftsmodelle, neue Services oder verbesserte Leistungen: Verbraucher in der EU werden künftig aus mehr Angeboten wählen können. Die Konkurrenz innerhalb der Branche wird sich verstärken und das Ziel der EU, für mehr Wettbewerb zu sorgen, dürfte damit erreicht werden.

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