Interview | Veröffentlicht am 24. Januar 2019


Interview mit Georg Schardt, CPO von heidelpay

Georg Schardt, Chief Product Officer von heidelpay, wirft einen Blick in die Zukunft des deutschen Payment-Marktes und erzählt im Gespräch, was für die nächsten 12 Monate auf der Roadmap des deutschen Fintech-Unternehmens steht.

Seit November 2017 ist Georg Schardt Teil der Geschäftsführung von heidelpay und leitet als CPO die strategische Produktentwicklung. Der renommierte E-Commerce- und Payment-Experte war zuvor bei verschiedenen Payment- und E-Commerce-Unternehmen tätig. Seine langjährige Erfahrung in der Digital- und Payment-Branche macht ihn zu einem der wichtigsten Köpfe in der Payment-Branche.

Hallo Georg, wir reden ja heute über die Zukunft des Bezahlens am PoS und im Internet. Kurze Frage zum Anfang: Wie hast Du Deine letzten Einkäufe im stationären und Online-Handel bezahlt?

Georg Schardt: Ganz ehrlich, der einzelne Händler zwingt mich zu dem, was er möchte. Und diese ist noch häufig Bargeld. Ansonsten nutze ich natürlich die Girocard und die Kreditkarte.

Wenn wir uns in den stationären Handel begeben, ist der Start von ApplePay aktuell eines der größten Themen. Wie schätzt Du den Start von ApplePay und den Impact des Startes auf das Bezahlverhalten der Deutschen und auch die generelle Entwicklung des Mobile Payment ein? 

Georg Schardt: ApplePay wird den Kunden sicherlich stärker dazu bringen, sein Mobil-Device zu nutzen und sicher erfolgreicher sein als die Initiativen der Kreditkarten (z. B. Masterpass). Aber auch wir arbeiten an PoS-Lösungen, die allerdings den Händler in den Mittelpunkt stellen und das Zahlen mit den Loyalty Programm des einzelnen Händlers verbinden. Durch das Mobil-Device und die damit einhergehenden technischen Möglichkeiten wird das Zahlen stärker mit den Kunden-Händler-Prozessen vernetzt und somit integraler Bestandteil der Kommunikation mit dem Kunden werden. Daran arbeiten wir intensiv.

Wer im Payment-Bereich in die Zukunft blicken will, muss eigentlich nur nach China schauen. Alipay oder Tenpay, die E-Wallets von Alibaba und WeChat, werden mittlerweile fast überall zum Bezahlen am PoS genutzt. Blicken wir hier in eine generell bargeldlose Zukunft?

Georg Schardt: In Skandinavien ist man bereits auf dem Weg zu einer bargeldlosen Welt. Da wird man im Taxi verwundert angeschaut, wenn man mit Bargeld bezahlen will. Ich selbst glaube, dass Deutschland hier 10 Jahre hinten dran ist. Jedoch wird sich bargeldloses Bezahlen auch hierzulande durchsetzen. Die Abschaffung des 500 Euro Scheins und das Verbot von Barzahlung bei bestimmten Rechnungen gehen in diese Richtung.

Während Kunden im stationären Handel manchmal gar keine Auswahl bei der Bezahlart haben, gibt es im Online-Handel umso mehr. Welche Zahlungsarten sollten in einem ausgewogenen Payment-Mix im E-Commerce auf keinen Fall fehlen?

Georg Schardt: Die dominierende Zahlart in Deutschland wird weiter die Rechnung bleiben, da der Kunde erst nach Erhalt und Prüfung der Ware entscheidet, ob er zahlt oder die Ware doch lieber retourniert. Dies war auch der Grund, warum wir uns als heidelpay Group dazu entschieden haben, unseren Partner UNIVERSUM Group zu kaufen. Damit können wir den Rechnungskauf technisch tief in unsere Checkout-Lösungen integrieren. Zudem werden durch die Regelungen zur Strong-Customer-Authentication Kreditkarten im Internet nicht mehr nutzerfreundlich sein und weiter an Bedeutung verlieren. Gerade Mobile Zahlungen werden davon betroffen sein.

Mit der PSD2 hat die EU Zahlungsinstituten wie heidelpay den Zugriff auf die Bankkonten von Endkunden erlaubt, wodurch in Echtzeit festgestellt werden kann, ob das Konto gedeckt ist. Was bedeutet das für die Entwicklung von neuen Payment-Methoden?

Georg Schardt: Zusammen mit den Regelungen zur Strong-Customer-Authentication bei Kreditkarten bedeutet der in der PSD2 manifestierte Zugang zum Bankkonto eine große Veränderung. Kontobasiertes Zahlen wird weiter zunehmen und eine deutlich stärkere Rolle spielen. Hier sei nur an das holländische Zahlverfahren IDEAL erinnert, über welches bereits heute mehr als 60 Prozent aller holländischen E-Commerce Zahlungen abgewickelt werden. Auch sogenannte Zahlungsauslösedienste werden den Kreditkarten Marktanteile abnehmen.

Hat auch heidelpay in diesem Bereich etwas geplant?

Georg Schardt: Wir sind bereits technisch ready mit einem eigenen Dienst, denn wir dem Händler als White Label anbieten werden. Das Problem von existierenden Diensten ist häufig, dass der Endkunde aus dem Checkout in eine komplette neue User Experience redirected wird. Dies haben wir gelöst.

Was steht bei heidelpay generell in puncto Integration neuer Zahlungsmethoden auf der Liste für 2019?

Georg Schardt: Als europäischer Omnichannel Payment Provider bieten wir natürlich alle relevanten Zahlarten an und integrieren auch Zahlverfahren wie ApplePay, Alipay oder WeChat.

An dieser Stelle möchte ich aber deutlich sagen, dass es unsere Vision ist, dem Händler eine so stark optimierte Checkout-Lösung anzubieten, die dem Endkunden das richtige Zahlverfahren anzeigt. Gerade für Mobil-Devices glauben wir an intelligente Checkout-Lösungen. Auch deshalb haben wir die UNIVERSUM Group als einen führenden Rechnungskaufanbieter im DACH-Bereich übernommen. Wir wollen nach Risk-Kriterien gesteuert dem Endkunden nur die Zahlverfahren zeigen, die er auch nutzen kann bzw. nutzen wird.

Wie siehst Du heidelpays Rolle auf dem deutschen Markt in Zukunft?

Georg Schardt: Wir sehen uns als europäischer Anbieter, der seine Kunden bei ihrer Expansion begleitet. Gerade durch unsere Flexibilität, sich den Anforderungen am Markt zu stellen, konnten wir viele namhafte Großkunden wie die Deutsche Post oder fashionette gewinnen.

Wir fühlen uns wohl in unserer Rolle als hidden Champion. Dank der Akquisition der StarTec Payment & Service GmbH, der UNIVERSUM Group, des österreichischen Payment Service Provider mPAY24 und der Avanti bieten wir als heidelpay Group eine ganzheitliche Omnichannel-Lösung. Dies ist eine besonders herausragende Stellung am Markt.

Gehen wir zurück zum E-Commerce und zum Thema Marktplätze, das derzeit in aller Munde ist. Welchen Stellenwert hat Payment in diesem gesonderten Geschäftsmodell?

Georg Schardt: Nur ein lizenziertes und reguliertes Unternehmen kann die Payment-Infrastruktur und auch die Verteilung des Geldes an unterschiedliche Händler übernehmen. An einer eigenen Lizenz sind die meisten Marktplätze gescheitert. Deshalb hat heidelpay eine Lösung entwickelt, die sowohl das Bezahlen des Endkunden ermöglicht als auch die Weiterverteilung der Gelder an viele Händler – und das auch bei gemischten Warenkörben. Auf unsere Marktplatzlösung greifen dabei nicht nur „echte“ Marktplätze zurück, sondern auch Einkaufskooperationen wie die Euronics.

Neben dem Marktplatz-Thema beherrscht auch das Thema Internationalisierung die Medien. Was sind Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für Unternehmen, die planen, international zu expandieren?

Georg Schardt: Lass mich hier ganz klar antworten: Die letzte Regulierung „zu unjustified Geoblocking“ zwingt Händler quasi dazu, sich zu europäisieren. Wir stellen aber auch so bei all unseren Händlern eine Expansion in neue Länder fest. Natürlich erhöht sich damit für Händler die Komplexität im Sinne von vielen neue Zahlmethoden und Empfangskonten, doch genau da kommen wir ins Spiel. Wir nehmen ihnen einen großen Teil dieser Komplexität ab. Der Händler soll sich am Ende voll und ganz auf sein eigenes Geschäft konzentrieren können. Um den Rest kümmern wir uns.

Herzlichen Dank für das Gespräch Georg! 

Kontakt

heidelpay GmbH

Frau Julia Ptock

Vangerowstr. 18
D-69115 Heidelberg
Tel. +49 (0)6221/6471-456
presse@heidelpay.com
www.heidelpay.com